Nachruf auf Kantorin Hanne-Lore Friedrich
Nachruf auf Kantorin Hanne-Lore Friedrich
Am Samstag, dem 14. Februar nahm eine große Trauergemeinde mit vielen Wegbegleitern und ehemaligen Sängern und Sängerinnen
Abschied von Kantorin Hanne-Lore Friedrich. Der Trauergottesdienst fand in der Sangerhäuser Jacobikirche statt, dort, wo Frau Friedrich 37 Jahre lang als Dirigentin, Organistin und Kirchenmusikerin gewirkt hat. Nach ihrem A- Studium an der Kirchenmusikschule in Halle/Saale, bei dem sie insbesondere durch Direktor Kurt Fiebig und ihren Orgellehrer Heinz Wunderlich geprägt wurde, begann sie 1953 mit ihrer Tätigkeit in Sangerhausen. Zu einer Zeit, in der Dirigentinnen im Konzertbetrieb so gut wie nicht vorhanden waren, waren regelmäßige Oratorienaufführungen von Anfang an für sie selbstverständlich. Auch an jenem 3. Mai 1971, als am frühen Morgen ein Feuer den Dachstuhl der Jacobikirche vernichtete. Die für diesen Tag geplante Aufführung des Messias konnte sie in die katholische Kirche verlegen, nachdem Instrumente und Noten aus dem Altarraum unter dem brennenden Dachstuhl geborgen wurden. Die ersten Worte des Tenorsolisten blieben nicht nur für sie unvergesslich: „Tröstet, tröstet mein Volk“ Seit Beginn ihrer Amtszeit war es für Hanne-Lore Friedrich ein wichtiges Anliegen die wertvolle Orgel von Zacharias Hildebrandt zu sanieren. Dies wurde nach dem Brand, bei dem die Orgel durch das Löschwasser schwer geschädigt wurde, umso dringlicher. Es war einer der besonderen Momente in ihrem beruflichen Leben, als sie 1978 die restaurierte Orgel einweihen durfte. So sehr ihr die Arbeit mit der Kantorei, dem Posaunenchor und das Orgelspiel am Herzen lagen – die nachhaltigste Tätigkeit von ihr geschah auf dem Gebiet der Kurrende, der vielen Kindergruppen und der von ihr ins Leben gerufenen Kindersingwochen. Vielen heute längst Erwachsenen hat sie damit die Musik als wertvollen Teil mit ins Leben gegeben. Schon früh erkannte Hanne-Lore Friedrich, dass das Heranführen von Kin-
dern auch an klassische Kirchenmusik eine wichtige Grundlage für unsere Tätigkeit als Kirchenmusikerinnen war. Weitere Arbeitsfelder
seien hier nur kurz angerissen: ihre intensive Bläserarbeit, ihre Tätigkeit als Kreiskantorin und auch ihre Kompositionen insbesondere von Kinderkantaten. Hanne-Lore Friedrich agierte in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht nur als hochqualifizierte Musikerin, sondern immer auch als gläubige Christin. So war es folgerichtig, dass sie in ihrem Ruhestand lange aktiv blieb. In Bennungen leitete sie viele Jahre lang den Kirchenchor und zahlreiche Schülerinnen und Schüler profitierten von ihrer pädagogischen Ader. Für das kichenmusikalische und gemeindliche Geschehen zeigte sie bis zu ihrem Ende Interesse und ehrliche Anteilnahme, es wurde –
je nachdem – mit Kritik oder Lob begleitet. Schon zu ihren Dienstzeiten lag ihr die Partnerschaft mit dem Lugala-Hospital
in Tansania am Herzen und besonders beeindruckte mich ihre ganz persönliche Unterstützung iranischer Flüchtlinen, noch im Alter von mehr als 90 Jahren.
Große Freude hatte Hanne-Lore Friedrich an der wachsenden Familie. An der Entwicklung von Enkeln und Urenkeln nahm sie liebevollen Anteil. Die letzten Jahre verbrachte Hanne-Lore Friedrich im Marienstift in Roßla.
Auch hier nahm sie aktiv am Gemeindeleben teil. Jeden Tag begann sie am Klavier mit einem Choral (für sich selbst) und einem
Volkslied (für die Bewohnerinnen und Bewohner). Noch im zurückliegenden Jahr, mit 95 Jahren, gestaltete sie ein Frühlingskonzert
im Marienstift, das sie allerdings schon viel Kraft kostete. Bis zum letzten Tag aktiv, interessiert, aufgeschlossen und glaubensvoll
verstarb Hanne-Lore Friedrich in der Nacht zum 7. Februar im Alter von 96 Jahren. „…wer so stirbt, der stirbt wohl“.
(Text: Martina Pohl, Kirchenmusikerin)

